Melodie & Rhythmus

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Editorial

Der unheimliche Aufmarsch

Bis in unsere Gegenwart stellt man sich eine Konterrevolution als Krieg oder blutigen Putsch vor. Die erschütternden Ereignisse in Chile 1973 haben sich weltweit ins kollektive Gedächtnis der Linken eingebrannt. Heute sind wir mit einer regelrechten Lawine von verheerenden Auswirkungen konterrevolutionärer Umwälzungsprozesse konfrontiert, und anders als zur Zeit des Kalten Krieges gibt es keinen Osten mehr, in den Linke fliehen und eine Verteidigungslinie bilden könnten. weiterlesen

Magazin

Johann KresnikWiderstand bis zuletzt
Namhafte Kollegen würdigen Johann Kresnik als einen der bedeutendsten Theaterkünstler gegen den rechten Zeitgeist

Johann Kresnik war ein Solitär. Der Regisseur und Choreograf galt als einer mit »Wut im Bauch«, als »Berserker«. Als einer, der im Rausche kämpft und dabei keine Verwundungen mehr spürt. Diese Charakterisierung schloss von Schlüsselreizen seiner Inszenierungen auf ihren Schöpfer. Die »Barbarei«, die das bürgerliche Feuilleton im Spektakel aus »Blut, Scheiße und nacktem Körper« wahrnahm und bestenfalls als Provokation eines Bessermenschen verstand, blendete aber nicht nur die zarten und innehaltenden Momente seiner Inszenierungen aus, sondern unterschlug Grundsätzliches. In einem Spiegel-Interview brachte Kresnik es selbst auf den Punkt: »Mir ist blinde Wut völlig fremd. Meine Wut ist immer konkret.« weiterlesen
Foto: DPA / Ingo Wagner

Klimbim und Quietschgeigen
Ein Kommentar des Schriftstellers Jürgen Roth zu den Feierlichkeiten in der Hauptstadt zum 30. Jahrestag des »Mauerfalls«

Man muss es dem, scheint’s, ewigwährenden Imperialismus lassen: Ihm fällt zuverlässig eine noch monströsere politbetrieblich-kulturindustrielle Abgeschmacktheit ein. Nüchtern gesagt: Den »Rackets« (Adorno) und ihren fürs Klimbim zuständigen parlamentarischen Vollzugsidioten sind Maß- und Stillosigkeit notwendigerweise inhärent. weiterlesen

Kunst & Künstler

Ein ausgedehnter Trip
Gerald_ScarfeGerald Scarfe legt eine autobiografische Bilanz seines bewegten Lebens als Karikaturist und Grafiker vor

Gerald Scarfe ist einer der bissigsten britischen Cartoonisten. Seit den 60er-Jahren veröffentlicht er Karikaturen zum politischen und kulturellen Zeitgeschehen. Seine Arbeit für Pink Floyds multimediales Projekt »The Wall« vor 40 Jahren machte ihn weltweit bekannt. Nun blickt der Künstler in einer Autobiografie mit dem Titel »Long Drawn Out Trip: My Life« auf seine Karriere zurück. weiterlesen
Foto: Charlie Hopkinson

Das Gegenteil von »so tun als ob«
Heiner Goebbels über die Schönheit des Machens und der Kollaboration

Ende der 1970er-Jahre spielte Heiner Goebbels mit dem Sogenannten Linksradikalen Blasorchester in der Frankfurter Sponti-Szene. 1994 feierte er mit »Surrogate Cities« seinen Durchbruch in der Kunstmusik. M&R sprach mit dem Komponisten anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums über diese berühmte Orchestersuite, seine neuen Arbeiten »Under Construction« und »Everything that Happened and Would Happen« und über die große Bedeutung, die die Schönheit für ihn hat. weiterlesen

Titelthema Konterrevolution

zwergeFanatismus der Auslöschung
Gab es in »Ostzonesien« Kunst? Die kolonialen Eroberer der DDR haben ungewollt deren Kultur wiederbelebt

In der »Phänomenologie des Geistes« verwandte der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1807 die Formulierung »Furie des Verschwindens«. Er drückte damit seine Missbilligung bestimmter Entwicklungen der Großen Französischen Revolution von 1789 aus. Ansonsten feierte er sie zeitlebens an jedem 14. Juli als »großen Sonnenaufgang« und hielt sie für ein weltgeschichtliches Ereignis, mit dem die Welt auch im übertragenen Sinn »auf den Kopf gestellt« worden sei. Unbehagen aber bereiteten ihm zwei Dinge. weiterlesen

Brasiliens reaktionäre Parallelrealität
Präsident Bolsonaro will das riesige Land mithilfe von Kultur und Medien nach seinem neofaschistischen Weltbild umformen

Das wirtschaftliche »Wunder«, für das Mainstream-Medien weltweit den General Emílio Garrastazu Médici während seiner Amtszeit als brasilianisches Staatsoberhaupt (1969–1974) feierten, hat sich als trügerisch erwiesen. Seine Präsidentschaft sollte als die brutalste Phase der Militärdiktatur (1964–1985) in die Geschichte eingehen, als eine Zeit der politischen Repression, der Zensur, der Folter und standrechtlichen Hinrichtungen. weiterlesen

Nationalistische Propaganda, Kitsch und Provinzialität
Konterrevolutionäre Tendenzen in der ukrainischen Kultur seit dem Maidan

Zweifellos gestaltet sich die ukrainische Kultur heutzutage vielfältig. Gleichzeitig lassen sich an ihr recht schnell zwei gegenläufige Entwicklungen feststellen – eine progressive und eine reaktionäre. Interessant ist dabei, wie unterschiedlich beide Richtungen vom Staat behandelt werden. Nach dem Staatsstreich im Jahr 2014, dem sogenannten Euromaidan oder kurz »Maidan«, begann die neue Regierung, ethnischen Nationalismus aktiv zu fördern. weiterlesen

»In hundert Jahren ist alles vorbei …«
März 1920: Zwölf Millionen Arbeiter stoppten die Kapp-Lüttwitz-Putschisten mit einem Generalstreik – Denkmäler, Literatur und Filme erinnern daran und mahnen

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859−1941) hatte sich im November 1918 in die Niederlande abgesetzt. Die Republik war ausgerufen. Nein, nicht die sozialistische, aber immerhin standen die Zeichen auf gesellschaftlichen Wandel, oder nicht? Jedenfalls sollte der bereits renommierte Autor Kurt Tucholsky (1890−1935) unter dem Pseudonym »Ignaz Wrobel« am 25. März 1920 in der Weltbühne analysieren, dass die SPD-geführte Regierung den Aufmarsch der sich formierenden Konterrevolution schlichtweg verpennt habe: »Sechzehn Monate Nichtstun haben sich gerächt: Am dreizehnten März 1920 hielten die deutschen Militaristen ihre Stunde für gekommen und packten zu. Der Fang entglitt ihnen – merkwürdigerweise.« weiterlesen

Werke

Viel Zeit nehmen, um zu verstehen …
João Pina erzählt mit seinen Bildern von Verfolgten, Gequälten und Verschwundenen – Geschichten, die vom Vergessen bedroht sind

João Pina wurde 1980 in Lissabon, Portugal, geboren und fotografiert seit seinem 18. Lebensjahr. Er arbeitet sowohl in seinem Heimatland als auch in Südamerika zur Entstehung individueller und struktureller Gewalt. Seine Fotos wurden u.a. in El País, GEO, La Vanguardia, Le Monde, New York Times, Newsweek und dem Stern veröffentlicht, daneben entstanden drei Bücher. Er hatte zahlreiche Ausstellungen in Nord- und Südamerika. 2017/2018 war er Nieman Fellow an der Harvard University. Gegenwärtig lehrt er am International Center of Photography in New York. weiterlesen

Kritik & Reflexion

S070Für das Gedeihen des Lebens
Seit einigen Jahren formiert sich eine neue Bewegung für einen antikapitalistischen Feminismus − ein Autorinnenkollektiv hat dazu das längst fällige »Manifest für die 99 %« verfasst

Die Inauguration Donald Trumps 2017 bestätigte die mittlerweile viel zitierte These von einem »Ende des progressiven Neoliberalismus«. Verfasserin Nancy Fraser streitet seither offensiv für einen Feminismus, der wieder an den bestehenden Eigentumsverhältnissen rüttelt. Anfang 2019 veröffentlichte sie mit Cinzia Arruzza und Tithi Bhattacharya ein Manifest, das eine breite Front internationaler Proteste und Streiks festigen will, die als Feminismus für die 99 Prozent bekannt geworden ist. weiterlesen
Foto (Montage): Reuters / Yara Nardi, Adnan Abidi

Gebirge des Widerstands
Ein Dokumentarfilm zeigt den Kampf der Arhuacos gegen die Zerstörung ihres Lebensraums auf der höchsten Bergkette Kolumbiens

Alexander Hick dokumentiert in seinem Debütwerk »Thinking Like a Mountain« den Alltag der indigenen Arhuacos im Gebirge der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien. Dabei setzt er fragmentarische Szenen zu einem Filmmosaik zusammen, das von Umweltzerstörung, Krieg und Guerilla-Leben erzählt. M&R sprach mit ihm über seinen Zugang zur Welt der Arhuacos und seine Arbeitsweise. weiterlesen

»Die Kunst bleibt frei!« – Wer hat sie befreit?
Über die Notwehr der »Vielen« gegen den Kulturkampf von rechts

Die Kunst war nie ein Ort der Freiheit, ohne zugleich ein Ort der Unterdrückung zu sein. Sie war und ist kein herrschaftsfreier Raum. Die Widersprüche der Herrschaft lösen in ihr herrschaftsfreie Momente aus, die kluge Künstler für den Ausdruck von sozialer Wahrheit nutzen. Das geschieht selten, weil kluge Künstler rar sind − aber es geschieht. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

»Das sind Feiglinge«
Nach Konzertabsagen: US-Rapper Talib Kweli rechnet ab – mit Deutschlands Kulturszene und ihrer Ignoranz gegenüber dem weltweit grassierenden Rassismus

Der US-amerikanische Politrap-Star Talib Kweli ist wütend: Konzertveranstalter haben seine Auftritte in Deutschland wegen seines Engagements für die BDS-Bewegung abgesagt. Im Interview – seinem einzigen in einem deutschen Medium erklärt er, warum dieses Vorgehen White Supremacy in die Hände spielt und die deutsche Kulturszene »ganz klar auf der falschen Seite der Geschichte« steht. weiterlesen

Apokalypse mit Hoffnungsschimmer
Bernd Alois Zimmermanns musikalische Trauerarbeit im Angesicht der »vergeblichen Revolutionen«

Bernd Alois Zimmermann (1918−1970) war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Doch sein Werk wird erst in den letzten Jahren von einer breiteren Öffentlichkeit entdeckt. Im Frühjahr 2020 will das Staatstheater Darmstadt sein vor 50 Jahren uraufgeführtes und aus der damaligen Zeit einsam herausragendes »Requiem für einen jungen Dichter« erstmals szenisch auf die Bühne bringen. weiterlesen

Springers »Hurensöhne«
Wo die Konzernmedien noch haltmachen, geht es auf dem Journalistenblog Ruhrbarone erst richtig los – bis zur faschistoiden Vernichtungsfantasie

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Ruhrbarone ein Foto von der dystopischen Landschaft des nördlichen Rheinischen Braunkohlereviers. Aufschrift: »Transform Gaza to Garzweiler«. Ein Londoner Publizist kommentierte: »Dieses ›liberale‹ deutsche Blog ruft zum Genozid an zwei Millionen Palästinensern auf.« Genau das war offenbar geschehen, denn nur wer das Ruhrgebiet vor lauter Schornsteinen nicht sieht, kann diese Aufforderung anders verstehen. weiterlesen

Der rote Fetzen
Nachbetrachtungen zur M&R-Künstler-Konferenz und -Gala am 8. Juni in Berlin: Eine denkwürdige Hommage an Henzes »Das Floß der Medusa«
konferenz
Der große Schlussapplaus für die Mitwirkenden der im Theatersaal des Heimathafens Neukölln aufgeführten Erinnerung an Hans Werner Henzes und Ernst Schnabels »Oratorio vulgare e militare« von 1968, das Che Guevara gewidmet ist, war anrührend − der Moment der Stille, bevor er einsetzte, einer der beredtesten der gesamten Künstler-Konferenz und -Gala. weiterlesen

Standpunkte

Satire unter Druck
Karikaturen und andere lachmuskelreizende Waffen der Kritik werden immer häufiger als Hetze geschmäht

Wir lassen Harald Kretzschmar und Sibel Schick folgende These diskutieren:
Politische Korrektheit entwickelt sich zum Machtinstrument ­gegen kritische Gehalte von Satire und Humor. weiterlesen

Aufstandsbekämpfung ohne Aufstand
Gespräch mit Bernard E. Harcourt über neue Erscheinungsformen der Konterrevolution in der westlichen Welt

Der Rechts- und Politikwissenschaftler Bernard E. Harcourt kämpft für Menschenrechte und war als Strafverteidiger von zum Tode verurteilten Häftlingen tätig. In seinen Publikationen setzt sich der kritische Theoretiker, der auch Werke von Michel Foucault auf Französisch und Englisch editiert hat, mit Regierungsformen der Überwachung und Kontrolle sowie Protest und Widerstand im digitalen Zeitalter auseinander, besonders in der Periode nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. M&R interessiert sich für zentrale Thesen seines neuen Buches »Gegenrevolution. Der Kampf der Regierungen gegen die eigenen Bürger«. Das Gespräch führte Matthias Rude. weiterlesen

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Großartiges schaffen
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»Nie wieder schweigen«
Rechtsruck, widerständige Kunst, Erinnerungskultur: jW-Bericht von der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus am Samstag im Heimathafen Berlin-Neukölln
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M&R-Künstlerkonferenz eröffnet
Eindrücke vom Auftakt im Berliner »Heimathafen Neukölln«
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»Wehe dem, der mit einfachen Worten die Wahrheit sagt!«
Am Vormittag der Melodie & Rhythmus-Künstlerkonferenz wurde über Rechtsruck und Medienmacht diskutiert
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Kunst als Ware und Nicht-Ware
Der zweite Teil der Künstlerkonferenz von Melodie & Rhythmus drehte sich um Konformes und Widerständiges in der Kunst
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»Nie wieder Schweigen!«
Das vierte und letzte Podium der Künstlerkonferenz befasste sich mit Erinnerungskultur.
jW, 08.06.2019
flashback