Melodie & Rhythmus

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Magazin

Zwangspause beendet
Das Simon Dach Projekttheater startet nach dem Pandemielockdown mit Brecht – und beweist, dass er brandaktuell ist

Die Aufständischen werden gehängt, die Pachtherren feiern: »Vielleicht fällt der Regen doch von unten nach oben!« Vielleicht lässt die Einteilung der Menschen nach ihrer Schädelform den Widerspruch zwischen Arm und Reich vergessen. So endet das Stück »Die Rundköpfe und die Spitzköpfe« von Bertolt Brecht, das das Simon Dach Projekttheater (SiDat!) im Herbst auf die Bühne bringen wird. weiterlesen

»Die Demokratie in der Labour Party liegt im sterben«
Nach seinem Rauswurf: Der britische Filmemacher Ken Loach über den desolaten zustand der einst stolzen Arbeiterpartei

»Die Demokratie in der Labour Party liegt im Sterben. Der linke Vorsitzende Jeremy Corbyn ist Opfer eines ›politischen Attentats‹ geworden, wie Journalisten es genannt haben. Sein Programm, das positive Veränderungen zugunsten der einfachen Leute, der Arbeiterklasse, bringen sollte, hat das Establishment derart erschreckt, dass sie ihn ausgeschaltet haben. Der neue Vorsitzende vom rechten Parteiflügel, Keir Starmer, ist fest entschlossen, die Partei von Corbyns Anhängern zu säubern – ich bin einer von ihnen. weiterlesen

Kunst & Künstler

»No more master’s clock!«
Moor Mother agitiert mit ihrem neuen Album gegen das kapitalistische Zeitregime

Camae Ayewa war im März 2020 gerade von einer kleinen Tour aus Italien zurückgekommen, als die Pandemie auch in den USA an Fahrt aufnahm. In ihrer Heimatstadt Philadelphia im Bundestaat Pennsylvania verbreitete sich das Coronavirus zunächst nur langsam, aber bald wurden die Schulen geschlossen und die Menschen gebeten, nach Möglichkeit erst einmal zu Hause zu bleiben. Trotz der Verunsicherung, die diese Entwicklung auch bei ihr auslöste, sei sie durch die Erfahrungen während der Konzertreise nach ihrer Rückkehr motiviert und voller neuer positiver Energien ans Werk gegangen, erzählt die 1980 in Aberdeen in Maryland geborene und unter dem Namen »Moor Mother« bekannte Künstlerin im Gespräch mit M&R. weiterlesen
Foto: Bob Sweeney

Die Arroganz der rechten Macht
Hauptfigur in Max Bronskis neuem Kriminalroman »Halder« ist ein erzreaktionärer Verfassungsschützer – ähnlichkeiten mit einer bestimmten lebenden Person sind nicht rein zufällig

Politische Krimis lüften die wahren Verbrechen und entlarven die wirklichen Kriminellen. Autoren, die nicht nur auf den Markt schielen, werfen daher gern ein Licht in die dunklen Verstrickungen der Macht. Wolfgang Schorlau etwa ließ in seinem Thriller »Fremde Wasser« einen trinkfesten Privatdetektiv in den feuchten neoliberalen Traum von der Wasserprivatisierung vordringen und Petros Markaris seinen Kommissar Charitos das Milieu korrumpierter griechischer Linker durchforsten. weiterlesen

Schamlos aufrichtig
Der Grandseigneur des italienischen Chansons wird mit einer Filmhommage geehrt

Der piemontesische Sänger, Komponist und Pianist Paolo Conte wurde 1968 mit seinem Lied »Azzurro« bekannt, das in der Interpretation von Adriano Celentano zu einem Welthit wurde. Darauf folgte eine Karriere als allseits gefeierter Cantautore, dessen einzigartige Mischung aus jazzinspirierter Musik und surreal-humorvollen Texten ihm eine treue Gefolgschaft in seinem Heimatland, aber auch in Frankreich und Deutschland sicherte. Diesen Herbst kommt der Dokumentarfilm »Via con me« in die Kinos, in dem der mittlerweile 84-Jährige ausführlich aus seinem bewegten Künstlerleben erzählt. M&R sprach mit ihm vorab über Fortschritt und Rückständigkeit, Lob und Kritik und andere Gegensätze, die ihn und sein Schaffen prägen. weiterlesen
Foto: Daniela Zedda / Prokino

Titelthema

Wo der Mensch ein Mensch ist
Die Marx’sche Theorie führt den Humanismus der Neuzeit weiter: Liebe ist Ausgangs- und Endpunkt einer freien Gesellschaft

Liebe stand am Anfang des Erwachsenen- und Publizistenlebens von Karl Marx und an dessen Ende, genauer: Die Liebe zu Jenny von Westphalen, der Frau, die sein Werk in hohem Maß mitbestimmt, ja wahrscheinlich auch mitformuliert hat. Genau lässt sich das nicht mehr ermitteln. Die Töchter des Paares haben den Briefwechsel zwischen ihren Eltern zu großen Teilen vernichtet; von Eleanor Marx ist aber der Satz überliefert, dass ihr Vater ohne Jenny von Westphalen »nie das hätte sein können, was er war«. Das korrigierende Eingreifen von Jenny Marx in die Schriften ihres Mannes bei deren Übertragung in lesbare Schrift kann an vielen Stellen nachgewiesen werden. Leider ist aber die Geschichte ihrer über fast fünf Jahrzehnte währenden leidenschaftlichen Liebe nicht so gut erforscht und dokumentiert worden, wie sie es offenkundig verdient. Ohne das Erleben dieser Beziehung, aber auch die Liebesgedichte des Studenten Marx wäre seine reife Theorie kaum vorstellbar. weiterlesen

Gegen das Ideal des absoluten Eigentums
Alexandra Kollontais marxistisches Konzept freier Liebe

Zwischen 1919 und 1921 nahm Lenins Revolutionsregierung radikale sexualpolitische Neuerungen vor und setzte die Befreiung der Frau und die Abschaffung patriarchaler Ehestrukturen weit oben auf ihre gesellschaftspolitische Agenda. Bevor die junge Sowjetunion 1922 als eines der ersten Länder weltweit Homosexualität entkriminalisierte, hatte man Abtreibungen legalisiert; die Kosten übernahm nun der Staat. Darüber hinaus wurden das international liberalste und vor kirchlicher Kontrolle geschützte Ehe- und Scheidungs- und ein umfangreiches Mutter- und Säuglingsschutzrecht inklusive Gleichstellung unehelicher Kinder eingeführt. Erkämpft hatte diese emanzipativen Fortschritte Alexandra Kollontai (1872– 1952), die erste Ministerin und Diplomatin der Welt. weiterlesen

Liebe literarisch produktiv machen
Plädoyer für eine historisch-materialistische Konzeption eines notorischen Sujets

Liebe ist allgegenwärtig in unserer Kultur. Im Hollywoodfilm, im Popsong geht ohne Liebe gar nichts. Selbst im unsinnlichsten Streifen muss man irgendwo noch zarte Gefühle oder derberen Sex einbauen, sonst ist der Produzent nicht glücklich. Erst recht gilt das für die Literatur, die ein sehr viel älteres Medium ist. Solange es Texte gibt, ist Liebe ein zentrales Sujet – in allen Spielarten: als romantische Liebe, als tragische, verzweifelte oder problematische Liebe, als körperliche, gewalttätige oder fehlgeleitete, als himmelhoch jauchzende, weltverändernde oder im Gegenteil illusionslose Liebe. Das gibt es alles und immer wieder neu. weiterlesen

Liebe 3000
Bericht vom 27. Futurologischen Weltkongress

Am Beginn des Kongresses stand die Erklärung des Weltrats: Wir müssen von einer extrem pessimistischen Bestandsaufnahme zu einer ebenso extrem optimistischen Zukunftsgestaltung kommen: Der Mensch der Gegenwart, gefangen in seinen politisch-ökonomisch-kulturellen Systemen, ist nicht in der Lage, die Probleme, die er selbst geschaffen hat, zu lösen. Er steckt in einem »Flaschenhals«, wie man ihn für die Geschichte aller irdischen Zivilisationen als Modell beschrieben hat: Die Entwicklung der Organisation und Technologie läuft auf einen Punkt hin, an dem die Bedingungen für den eigenen Untergang erzeugt werden. weiterlesen

Werke

Verwüstet, ausgeblutet, traumatisiert
Afghanistan nach dem Rückzug des Westens
Fotoreportage von Paula Bronstein weiterlesen
Foto: Paula Bronstein

»Die Lage ist schlimmer als je zuvor«
Paula Bronstein dokumentierte den traurigen alltag der Afghanen, während die Truppen der USA und ihrer Verbündeten im Blitztempo das Land verließen und die Taliban bereits eine Stadt nach der anderen überrannten

Paula Bronstein ist eine mehrfach international ausgezeichnete US-amerikanische Fotografin, die seit fast vier Jahrzehnten vor allem in Krisengebieten arbeitet. Die seit 1998 in Bangkok lebende Journalistin berichtete mit Bildreportagen über die humanitäre Katastrophe im Südsudan, die Flüchtlingskrise in Myanmar und die zivilen Opfer des Gazakriegs 2018. In Afghanistan war sie erstmals im Herbst 2001, kurz nachdem die USA den Anschlag vom 11. September zum Anlass genommen hatten, ihren »Krieg gegen den Terror« in das Land am Hindukusch zu tragen. weiterlesen

Galerie

Liebe als kulturvoller Rausch
Die erotischen Bilder von Thomas J. Richter

Der Maler, geboren 1955 in Ostberlin, ist der Spross einer bemerkenswerten Künstlerdynastie. Er wuchs mit den Bildern seines Großvaters Gottfried Richter auf, wurde früh beeinflusst vom Werk Ernst Schroeders, eines engen Freundes seines Vaters Gottfried Uwe Richter, der ein begnadeter Zeichner war, und lernte schon als Kind eigenwillige Künstlerpersönlichkeiten wie Fritz Duda kennen. weiterlesen

KRITIK & REFLEXION

Jenseits des offenen Meeres
Die Schachtel präsentiert Werke des marxistischen Komponisten und Musiktheoretikers Armando Gentilucci in einer Box

Spricht man von »organischen Intellektuellen« im Italien der Nachkriegszeit, fallen insbesondere unter den Komponisten oft nur noch Namen wie Luigi Nono, Luciano Berio und Bruno Maderna. In den vergangenen Jahren wird aber das Erbe der so fruchtbaren Epoche von 1950 bis 1980 wiederentdeckt. So veröffentlicht etwa das Mailänder Label Die Schachtel vergessene oder verschollen geglaubte Werke der marxistisch geprägten Nachkriegsavantgarde. weiterlesen

Faszinierend und voller Widersprüche
Filmporträt des legendären Pogues-Sängers Shane MacGowan

Julien Temple dreht seit vier Jahrzehnten erfolgreich Musikfilme. Zu seinen Protagonisten gehörten die Sex Pistols, Joe Strummer, David Bowie und Keith Richards. Das jüngste Werk des 67-jährigen Briten ist ein Dokumentarfilm über Shane MacGowan, den Sänger und Gitarristen der anglo-irischen Folkpunk-Band The Pogues, der jetzt in die Kinos gekommen ist. M&R sprach mit Temple über seine Anfänge als Regisseur von Punk-Filmen, die nicht leichte Zusammenarbeit mit MacGowan und seine künstlerische Annäherung an den Irland-Konflikt. weiterlesen

Politische Kultur & Zeitgeist

»Warten auf die Barbaren«
Der Siegeszug der Taliban beflügelt den Islamhass und menschenrechtsimperialistische Begehrlichkeiten

In den vergangenen Monaten überschlugen sich die Horrornachrichten aus Afghanistan. Einen Höhepunkt bildete ein Selbstmordattentat am 26. August von Kämpfern des Islamischen Staats Khorasan (ISK) mit weit über hundert Toten, darunter auch 13 US-amerikanische Soldaten. Der Racheschwur des US-Präsidenten – »Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen« – erinnerte nicht zufällig an George W. Bushs mittlerweile historische Rede nach dem Anschlag auf das WTC vom 11. September vor 20 Jahren, in der er einen Vergeltungsfeldzug angekündigt hatte, »wie wir ihn bislang noch nicht erlebt haben«. ​weiterlesen

Regenbogenkapitalismus
Die Queerbewegung im Bann der Kommerzialisierung und Vereinnahmung von rechts

Die diesjährige Fußballeuropameisterschaft fiel in den »Pride Month« der LGBTQ-Community (lesbisch, schwul, bisexuell, transgeschlechtlich, queer). Nachdem die UEFA den Antrag des Münchner Stadtrats abgelehnt hatte, die Allianz Arena beim Vorrundenspiel Deutschlands gegen Ungarn am 23. Juni in den Farben der Bewegung erstrahlen zu lassen, zeigte nicht nur der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein Herz für LGBTQ und trug während des Spiels eine FFP2-Maske in Regenbogenfarben. Auch viele internationale Konzerne zeigten Flagge, indem sie das LGBTQ-Symbol für Werbekampagnen in ihre Firmenlogos integrierten – zumindest in Ländern, in denen das gut ankommt. ​weiterlesen

Standpunkte

»Wirklich ehren können wir sie nur, indem wir für eine sozialistische Gesellschaft streiten«
Moshe Zuckermann nimmt Abschied von Esther Bejarano

Sie wollte 2021 mit Moshe Zuckermann und anderen Freunden den 76. Jahrestag ihrer Befreiung in dem mecklenburg-vorpommerischen Städtchen Lübz feiern. Dort hatte es am 3. Mai 1945 auf dem Marktplatz ein Freudenfest gegeben: Die damals 20-jährige Esther spielte Akkordeon, ein Hitlerbild wurde verbrannt, sowjetische und US-amerikanische Soldaten fielen sich in die Arme und küssten sich. Die Feierlichkeit zur Erinnerung an diesen bewegten Tag musste pandemiebedingt verschoben werden und sollte 2022 stattfinden. Aber dazu wird es nicht mehr kommen – Esther Bejarano verstarb am 10. Juli im Alter von 96 Jahren. M&R sprach mit Moshe Zuckermann über ihre Leistungen, ihr Wirken und die Möglichkeiten, sie zu ehren und ihr Vermächtnis zu bewahren.
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Was muss sein?
Über Freiheit, Zwang und Wissen im Kapitalismus und Sozialismus

Freiheit ist tun können, was ich will. Zweierlei kann dem entgegenstehen: erstens der andere Wille (im allgemeinsten Fall: »Gesellschaft«), zweitens die Gegebenheiten (im allgemeinsten Fall: »Natur«). Die Reklame für Freiheit wird im Imperialismus, in dem wir leben, desto lauter, je weniger Freiheit zu haben ist. Sogar die selbstständige Architektin und der niedergelassene Arzt gehören den Banken, etwa weil sie sich für den technischen Krempel, den sie für ihre Berufsausübung brauchen, verschulden müssen, falls sie nichts geerbt haben. Ihre Fron währt dann bis übers Ende des Arbeitslebens hinaus, danach wird das unterwegs erworbene Häuschen stückchenweise verkauft, »für mehr Liquidität im Alter«. weiterlesen

Freie Demokratische Partei: NSFDP
Eine Polemik von Henning Venske

In der FDP sammelten sich nach dem Desaster des Tausendjährigen Reiches die Getreuen der Hitlerei. Zentrale Figur war Ernst Achenbach, ein ehemaliger Nazidiplomat, der in Paris an der Deportation der französischen Juden beteiligt war. Er empfahl 1950: »Um den Nationalsozialisten einen Einfluss auf das politische Geschehen zu ermöglichen, sollten sie in die FDP eintreten, sie unterwandern und die Führung in die Hand nehmen.« Für sein parlamentarisches Wirken erhielt er 1971 das Große Bundesverdienstkreuz. weiterlesen

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estherbejarano Am 10. Juli 2021 verstarb Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren.
Aus dem M&R-Archiv:
Interview und Veranstaltungen mit Esther Bejarano

Foto: Axel Heimken/dpa

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